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eva annabelle blume

Passionsblume
oder ein abgewandelter Lebenswuchs

Version 3

Samen, einst in Essen gestreut, ließen mich als Passionsblume sprießen. Einige Jahre dort gediehen, dann nach Kamen verpflanzt; mittlerweile in Bochum neue Wurzeln geschlagen. Ich trage viele beschriebene Blätter, inzwischen bin ich überblättrig.
   Morgens ist die Haut des Stiels noch jung. Wenn der Tag reift, bescheint die Sonne die Blüten, in denen schlaflose Erinnerungen wandeln, obgleich ich an sonnenüberdrüssigen Tagen die Blüten zu schließen versuche - der Glast reißt sie auf und lässt mich altern, so dass ich nach einem Umtrunk lechze. Die Wolken sind gnädig, sie dunkeln und türmen sich auf, um sich zu brechen. Ich liebäugle mit den Cumuli, wenn sie schwarze Gebirge bleiben - Zirren verabscheue ich. Als sich weiße Täler aufdrängen, wende ich den Blick zur Erde und gedenke des Todes - obwohl zwei andere Blumen mich einst in einer fremden Sprache das Leben tauften.
   Ich recke mich zu Flügelschwingern empor, die vielstimmige Lieder singen; doch es naht die Pforte mit Wolkenkuckucksheimen bebaut: Alsbald bricht das Geraune der Paradiesvögel die Ursprungsmelodie.
   Unter gebrochenen Lauten vergisst die Stunde im Diesseits ihren Schlag - oder habe ich ihn überhört? Noch greifen Wurzeln in die Erde, doch Zweifel wachsen. Mag der Tod mein Ableben vorzeichnen; ich verliere nicht vollends den Glauben an ein dunkles Jenseits: Auf einer Pforte, die weder an Wolkenkuckucksheime grenzt noch Paradiesvögeln den Anflug gewährt, wird zwischen zu früh und zu spät der Augenblick gesät, der mich wiederaufblühen lässt.


texte von eva annabelle blume 

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